1. Warum „autonom“ und was ist ein „Referat“?
  2. Warum ein Referat nur für Frauen*Lesben? Ist das nicht sexistisch?
  3. Warum nennt ihr euch eigentlich Frauen*Lesben Referat? Sind Lesben denn keine Frauen*? Sind nur lesbische Frauen* im Referat?
  4. Was macht ihr so?
  5. Wer kann bei Euch mitmachen?
  6. Wo kann ich interessantes Lesematerial finden?
  7. Wie kann ich mitmachen?
  8. Wo gibt es Möglichkeiten zur feministschen Vernetzung und andere Anlaufstellen für Frauen*Lesben in Köln oder NRW?

  1. Warum „autonom“ und was ist ein „Referat“?
  2. Wir sind ein autonomes Referat an der Universität zu Köln.

    Referate sind Organe der verfassten Studierendenschaft an Universitäten; sie decken verschiedene inhaltliche Teilbereiche ab und sind teilweise in den AStA (Allgemeiner Studierenden Ausschuss) integriert. Die Referent*Innen dieser Organe werden von Student*Innen gewählt, bei den autonomen Referaten können nur die jeweils Betroffenen wählen. Für das Autonome FrauenLesbenReferat sind alle Studentinnen der Universität zu Köln wahlberechtigt.
    Autonom bedeutet in diesem Fall daher in erster Linie unabhängig: von Nicht-Betroffenen (in unserem Fall Männer), von Hochschul-Politik, parteiunabhängig.
    Wir sind sowohl in unserer Zusammensetzung als auch in unseren Tätigkeiten (inhaltliche Ausrichtungen) unabhängig von den sonstigen hochschulpolitischen Gremien (deren Zusammensetzung sich entsprechend der jeweiligen Mehrheitskoalition im Studierendenparlament und den Wahlen an der Universität verhält). Daher kann sich unsere Arbeit ausschließlich auf das für uns Wesentliche konzentrieren.
    Das ist insofern wichtig, als dass wir dadurch eine fortlaufende, themenspezifische Arbeit machen können, die nicht durch Wahlen und Gremien, die mehrheitlich von Männern dominiert sind, unterbrochen und beeinflusst werden kann.
    Diese Autonomie ist wichtig, da es in der patriarchalen Gesellschaft und somit auch den patriarchalen Unistrukturen nach wie vor Diskriminierung und Unterdrückung gegenüber Frauen gibt. Deshalb ist es notwendig Räume zu schaffen, in denen sich Frauen freier von Sexismus, Heteronormativität und Homophobie bewegen können und von denen aus feministische Interventionen gestartet und durchgeführt werden können.
    Trotz unserer inhaltlichen Autonomie sind wir strukturell (z.B. bezüglich Infrastruktur und Finanzen) mit dem AStA / StuPa (Studierendenparlament) verbunden, und können durch diese mehr oder auch weniger unterstützt werden.
    Damit unser Referat eben nicht auf den „Guten Willen“ der doch häufig noch „männerbündischen“ ASten angewiesen ist, wurde unser Bestehen und dessen finanzieller Rahmen im Hochschulgesetz festgelegt und dadurch sichergestellt. Andere Gremien und Referate werden meist durch jeweilige Mehrheitskoalitionen besetzt, verändert und von manchen ASten dann abgeschafft (wie z.B. 2008 mit dem Frauenreferat an der Uni Hamburg geschehen), oder durch queer/Gender Referate ersetzt, zu denen auch Männer Zugang haben.

    Andere autonome Referate und Arbeitskreise an der Uni Köln :

    Autonomes Lesben und Schwulenreferat (LUSK)
    Autonomes Behindertenreferat (ABeR)
    Autonomes AusländerInnenreferat
    Antifa AK

  3. Warum ein Referat nur für Frauen*Lesben? Ist das nicht sexistisch?
  4. Da der folgende Absatz sehr lang ist, hier eine kleine Zusammenfassung:

    Wir leben in der BRD immer noch im strukturellen Patriarchat, das heißt alle Räume (damit sind tatsächliche Räume wie Straße, Bahnhof, Club, aber auch Organisationen, wie AStA, Mercedes Benz Vorstand, StuPa gemeint) sind (strukturell gesehen) Männerräume. Das heißt Männer sind nicht nur meist in der Überzahl sondern werden auch als unsichtbare Norm gesetzt. Diese Norm wirkt meist auch weiter, wenn wenige oder keine Männer vorhanden sind, deshalb können auch Räume ohne physisch anwesende Männer Männerräume sein. Das nennt man auch „männliche Hegemonie“[1]. Deshalb ist der partielle Ausschluss von Männern kein umgedrehter Sexismus, sondern eine Verteidigung und politische Intervention gegen männliche Hegemonie und für das Empowerment (= Selbstermächtigung) von Frauen, die in Männerräumen immer Subalterne bleiben[2].
    Das steht nicht im Gegensatz zu der (queeren) Erkenntnis, dass Geschlechter als gesellschaftliche Kategorien konstruiert werden, da diese Kategorien auch mit der Erkenntnis ihrer Konstruktion wirkmächtig bleiben. Die konkrete Bezugnahme auf diese Kategorien ist eine politische Position und Strategie, die nach Gavatri Spivak „strategischer Essentialismus“[3] genannt wird, und der unserer Ansicht nach ein notwendiger Schritt auch zu ihrer Auflösung ist.
    Will sagen: Obwohl wir vielleicht Judith Butler gelesen haben, haben die Männer immer noch mehr Zugang zu Einkommen, Macht, Besitz, Bildung als Frauen.  Deshalb müssen Frauen immer noch für ihre Rechte kämpfen, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der diese Kategorien nicht mehr nennenswert sind. (Deshalb haben wir uns auch für die Schreibweise Männer/Frauen entschieden.)

    Weil wir immer noch im Patriarchat leben! 
    Patriarchale Zustände an der Uni
    Zur Konstruktion vom Geschlecht
    Eigene Räume!


    Weil wir immer noch im Patriarchat leben! 

    Inhaltswarnung: Beschreibung von u.a. Gewaltstrukturen
    Gesellschaftliche Strukturen sind immer noch androzentrisch[4] und männlich dominiert und die binäre (= zweigeteilte), hierarchische Geschlechterordnung wird weiterhin aufrechterhalten. Die patriarchale Herrschaft ist heutzutage eine strukturelle. Das heißt, es herrscht meist nicht mehr direkt und persönlich der Vater oder der Ehemann über Frauen, und juristisch sind Frauen (beinahe) gleichgestellt. Es gibt aber bewusste oder unbewusste Strukturen oder Grundprinzipien in unserer Gesellschaft, die dazu führen, dass Frauen de facto nach wie vor benachteiligt sind.
    So werden Geschlechterrollen sowohl bewusst als auch unbewusst reproduziert und naturalisiert (soll heißen, es wird so getan als existierten Geschlechterrollen aufgrund einer ominösen und für alles herhaltendmüssenden „Natur“, also so ein Bullshit, wie, dass Männer besser einparken können weil sie in der Steinzeit gejagt hätten, oder dass es einen natürlichen Mutterinstinkt gäbe.).
    Außerdem gibt es (strukturelle, physische und psychische) Gewaltzustände, die sich v.a. in familiären und/oder romantischen Beziehungen und auch im sexistischen Alltag speziell gegen Frauen richten: sexistische Sprüche, Angrabschen, Anglotzen, bis hin zu Vergewaltigungen schränken Frauen in ihren Möglichkeiten ein. Diese Gewalt gegen Frauen nimmt eher zu als ab, und ist eine starke Einschränkung für die Bewegungsfreiheit von Frauen im täglichen Leben, wie auch an den Diskussionen um „Aufschrei gegen Sexismus“ und/oder an der Kampagne „Ich habe nicht angezeigt“ zu sehen ist . Einschränkend sind ebenso die potentielle Möglichkeit eines solchen Vorkommnisses und die damit verbundenen Ängste.
    Kommen wir zur Arbeit: Noch immer wird die in der Regel unentgeltliche Arbeit ohne  Urlaubsanspruch und Feiertag im Haushalt, bei der Kindererziehung und  der Pflege Angehöriger zu 80% von Frauen geleistet, Frauen erhalten für gleichwertige Arbeit immer noch weniger Geld, sie haben weniger Chancen, einen ausbildungsadäquaten Arbeitsplatz zu  finden, weil z. B. Arbeitgeber*Innen Mutterschutz befürchten, und sie werden im Falle einer Rezession oft als erste entlassen.  Frauen, die in Männerdomänen vordringen („Führungsbereiche“, Fußball…) sehen sich einer viel kritischeren Beurteilung und dem konstanten Vergleich mit den angeblichen Leistungen der Männer und dem viel zitierten „Doppelstandard“[5] ausgesetzt. Haben sie Erfolg, wird ihnen ihr „Frau-Sein“ abgesprochen, scheitern sie, war es ja eh klar.
    Die Aufrechterhaltung der binären, hierarchischen Geschlechterordnung, die Frauen der Sphäre der Reproduktion (das Private) und Männern der Sphäre der Produktion (das Öffentliche) zuteilt, trägt momentan u.a. prima zur Stabilisierung des kapitalistischen Systems bei.
    Häufig wird heutzutage so getan, als sei die Gleichberechtigung schon erreicht. Teil dieses anti-feministischen Rollbacks ist die Inszenierung der „neuen Frau“. Dabei wird die Illusion einer stets attraktiven, selbstbewussten, heterosexuell aktiven Frau, die sich nimmt, was sie haben möchte, und mit Männern keine Probleme hat als weibliches Vorbild projiziert. Diesen „neuen Frauen“ werden die Feministinnen entgegengestellt, wie sie sich der Malestream so vorstellt: frustrierte, humorlose, lust- und männerfeindliche „Emanzen“.
    Die Quintessenz dieser Darstellungen ist, dass Feminismus etwas von vorgestern und heute überflüssig ist. Wenn Frauen gesellschaftlich tiefer stehen als Männer, so sind sie eben selbst Schuld. Frauen scheuen sich daher häufig, sich mit Feminismus und ihrer eigenen Betroffenheit von Gewaltstrukturen zu befassen, um sich selbst nicht als Opfer zu sehen oder als solches dargestellt zu werden. In diesen aktuellen neoliberalen Verhältnissen hat das Patriarchat also seine Wirkmacht nicht verloren, sondern nur verändert.


    Patriarchale Zustände an der Uni[6]

    Die Zahlen der Uni Köln bestätigen diese Tatsache exemplarisch: Zwar sind unter den Studierenden 59% Studentinnen, aber dieser Prozentsatz nimmt nach oben in der Universitätshierarchie rapide ab. Bei den Habilitationen sind 9 von 41 Frauen unter den Absolvent*Innen, bei der Besetzung der Professuren werden knapp 29% erreicht .
    Bei gleich bleibender Geschwindigkeit der Neuberufung von Dozent*Innen würde erst im Jahr 2057 eine paritätische Verteilung erreicht sein! Auch in Gremien wie Senat, AStA und Hochschulrat dominieren WHAM (white heterosexual abled men; weiße, heterosexuelle, befähigte Männer).
    Trotz des Anspruchs der Universität, ihre Mitglieder gegenüber psychischer, physischer und sexualisierter Diskriminierung und Gewalt zu schützen (siehe z.B. Richtlinie), kommt es im Alltag immer wieder zu sexistischen Bemerkungen, Fallbeispielen in Veranstaltungen, Witzen und Aussagen. Solche Handlungen und Praxen grenzen aus, werten ab und diffamieren aufgrund von Geschlecht und Identität.
    Gerade an der „traditionsreichen“ Uni Köln erhält Frauen- und Genderforschung fast keinen Raum. Zwar gibt es seit Mitte 2012 ein „Institut“ zu Genderforschung (GeStiK) , dieses hat aber kaum Stellen und Gelder und es musste sich für seine Gründung gegen viel Widerstand durchgesetzt werden. Eine wirkliche Hinterfragung und die kritische Auseinandersetzung mit Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus, die für eine nötige Veränderung sorgen könnten, findet kaum statt. Trotz „gleicher“ formaler Bildungsrechte werden Frauen bei Ressourcen wie Arbeit, Bildung und Gehalt strukturell benachteiligt. Im Kleinuniversum Hochschule werden hierarchische Rollen mit sexistischen Argumenten zugewiesen, z. B. »Frauen leisten einfach weniger als Männer«; »Es gibt eben nicht genug qualifizierte Frauen« usw. Frauen haben auch an der Hochschule die schlechter bezahlten Jobs.  Die Wissenschaft ist klar weiß männlich dominiert, sei es durch die Anzahl und Positionen der Professor*Innen, Themensetzungen in der Lehre, das StuPa oder der generelle Habitus, der das gesamte universitäre Leben prägt.
    Auch unter Studierenden gibt es Sexismus: In Vorlesungen/ Seminaren etc nehmen Männer deutlich mehr Raum/Redezeit in Anspruch und unterbrechen ihre Kommilitoninnen wesentlich häufiger. Auch während StuPa Sitzungen und vor allem während der studentischen Streiks der letzten Jahre zeigte sich, dass Frauen als Rednerinnen durchweg mit einer höheren Geräuschkulisse zu kämpfen haben. Nicht nur wenn sie es „wagten“, feministische Forderungen und antisexistische Kritik zu artikulieren, fiel das intellektuelle Niveau von Teilen des Publikums auf das einer karnevalistischen Herrensitzung ab.
    Zu erwähnen sind hier auch mehrere Rücktritte der wenigen weiblichen AStA Vorsitzenden in den letzten Jahren, und der ohnehin meist fast komplett weiß -männlich besetzte AStA.


    Zur Konstruktion vom Geschlecht

    Auch wir als Frauengruppe gehen davon aus, dass Geschlechter als gesellschaftliche Kategorien konstruiert wurden und werden und sich als binäres System ständig neu produzieren und reproduzieren. Soll heißen: wir alle werden im Alltag immer wieder als Männer oder Frauen mitsamt ihrer angeblich natürlichen Eigenschaften (fremd)definiert – auch wenn wir selbst dies vermeiden wollen. Obwohl wir also die Konstruktion der Kategorien von Frau und Mann erkennen und scheiße finden, sind diese eine gesellschaftliche Realität, die nicht nur in uns selbst eingeschrieben ist, sondern mit der wir durch die oben beschriebene Fremddefinition immer konfrontiert sind. Auch wer beispielsweise eine für Jungs untypische Sozialisierung genossen hat und sich nicht als „richtiger Mann“ fühlt, wird im Alltag immer wieder als Mann erkannt, anders als Frauen behandelt und ist nicht denselben Diskriminierungen ausgesetzt, was sich wiederum auf das eigene Empfinden und Verhalten auswirkt. Solange eine gesellschaftliche (und vor allem hierarchische) Unterteilung zwischen Männern und Frauen gemacht wird, solange wir alle patriarchaler Sozialisation unterworfen sind und Geschlecht somit in allen Bereichen der Gesellschaft wirkt, ist eine konkrete Bezugnahme auf diese Kategorien eine politische Position und Strategie und ist unserer Ansicht nach ein notwendiger Schritt auch für die Auflösung der Kategorien Frau und Mann. Aus diesem Grund haben wir uns auch für die Schreibweise „Mann“ und „Frau“ entschieden.


    Eigene Räume!

    Separatistische Gruppen und/oder Räume, in denen durch den Ausschluss von Männern Sexismus (zumindest personell) außen vor gelassen wird, bergen die Möglichkeit, eigene und fremde Verhaltensweisen als auf dem Geschlechterverhältnis beruhende zu entlarven. Es geht darum, erst mal einen Raum zu haben, in dem Frauen und Lesben sich austauschen können, z.B. über die alltäglichen Dinge, die uns so passieren, die uns einschränken, denen ein Mann sich aber niemals ausgesetzt sieht. Da Frauen im Patriarchat in Konkurrenz zueinander stehen, sind Frauenräume wichtig, um Solidarität untereinander aufzubauen und zu stärken. Aber auch dafür, sich neue Fähigkeiten anzueignen, die in einem Männerraum so nicht hätten entwickelt werden können. Schließlich geht es auch um die gemeinsame Artikulation von Standpunkten, zu intervenieren in Männerräume und sich somit Gehör zu verschaffen.

    Konkrete Beispiele sind:
    Wer repariert den Computer / bastelt die Website / hält den Vortrag / grillt die (Tofu-)Würste, wenn keine Männer da sind, die dies zufälligerweise fast immer tun? Was für Themen / Kommunikationsmechanismen / Dynamiken kommen auf, wenn sich nur Frauen in einem Raum befinden? Verhalte ich selbst mich plötzlich anders? Und auch: Welche Diskriminierungen bleiben? Auf welche Weise müssen wir uns auch mit anderen Hierarchieverhältnissen auseinandersetzen?

    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass …

    …wir eher lachen können über Sachen, für die wir uns in Männerräumen schämen würden,
    …wir weniger Angst haben, etwas falsch zu machen,
    …wir merken, dass wir ganz viel können von dem wir dachten, wir können es nicht
    …wir zum ersten Mal Sachen aussprechen, die wir sonst immer nur still ertragen haben,
    …uns plötzlich außerhalb von dem Frauenraum Sachen auffallen, die uns vorher nicht aufgefallen sind,
    …wir uns durch das gemeinsame drüber Sprechen gegenseitig stärken können
    …wir uns weniger vereinzelt fühlen und daraus Kraft schöpfen
    …wir ganz neue Handlungsmöglichkeiten entdecken, mit denen wir uns viel besser fühlen,
    …wir nicht gleich sind, nur weil wir Frauen* sind, und dass es auch Normativitäten und Unterschiede unter uns gibt, z.B. weißen

  5. Warum nennt ihr euch eigentlich Frauen*Lesben Referat? Sind Lesben denn keine Frauen*? Sind nur lesbische Frauen* im Referat?
  6. Hinter der Bezeichnung „FrauenLesben“ steckt ein feministischer Prozess, der nach wie vor aktuell ist, denn es gilt auch heute noch sichtbar zu machen, dass es „die Frau“ nicht gibt.
    Unser Referat entstand in den 80ern aus der 2. Frauenbewegung.
    Innerhalb der 2. Frauenbewegung (ab 1968) kritisierten u.a. Women of Color, Schwarze, Arbeiterinnen, Lesben und in der sogenannten „dritten Welt“ lebende Frauen, dass die Bewegung von weißen, heterosexuellen, bürgerlichen Mittelschichtsfrauen aus Westeuropa und Nordamerika gleich gemacht und dominiert wurde. Trotz der teilweise vollkommen unterschiedlichen Lebenskontexte und Bedürfnisse von Frauen wurde immer von „der Frau“ geredet und das Subjekt Frau somit gleich gemacht und andere Diskriminierungsebenen unsichtbar gemacht. Deshalb verschob sich die Perspektive der Frauenbewegung in den 80ern auf die Differenz zwischen Frauen und die verschiedenen Unterdrückungsverhältnisse, die auch unter Frauen greifen.
    Zum Beispiel kritisierten Lesben die Dominanz der Hetero Sichtweise innerhalb der Frauenbewegung und sagten: Was euch Heteras beschäftigt, vieles davon betrifft uns nicht, trotzdem müssen wir uns in der Bewegung damit rumschlagen, zum Beispiel das Thema Verhütung oder die spezifischen Probleme in Heterobeziehungen. Dafür werden wir als Lesben in der Gesellschaft noch mal ganz anders diskriminiert als Heteras, was wiederum kaum Thema in der Bewegung ist. Es gab auch Lesben, die meinten, sie sind gar keine Frauen, denn „Frau sein“ definiert sich dadrüber, Anhängsel von einem Mann zu sein, und weil sie das nicht seien, würden sie sozusagen einem „dritten Geschlecht“ angehören. So Monique Wittig 1978: „„Frau“ hat nur Bedeutung im heterosexuellen System des Denkens  und in heterosexuellen ökonomischen Systemen. Lesben sind keine Frauen.“
    Es  muss in diesem Zusammenhang auch gefragt werden,  was denn eigentlich  eine „Frau“ ist.[7] Die  Kategorie Geschlecht (also „Frau“ und „Mann“)  entsteht auch im Zusammenhang mit der   Sexualität. Das stillschweigende Voraussetzen von Heterosexualität und dem Markieren von allem anderen  als „unnormal“ wurde im lesbischen Feminismus als „Zwangsheterosexualität“[8] und von Judith  Butler als „Heteronormativität“ bezeichnet. Frauen sind demnach erst Frauen, wenn sie Männer lieben, und Männer können nur echte Männer sein, wenn sie sich nicht von anderen Männern sexuell angezogen  fühlen.(Wir können da an so banale Sätze aus jedem Trivialroman denken: „Er hat sie zur Frau gemacht“ „I’m gonna make you a man“.)
    Alles in allem verlangten Lesben Sichtbarkeit gegenüber dem heterosexuellen Mainstream auch innerhalb der Frauenbewegung. Daraus entstand die Praxis, den Begriff FrauenLesben zu verwenden. Später kam aus ähnlichen Gründen in manchen feministischen Zusammenhängen auch Trans* und Inter* im Namen dazu, was oftmals auch abgekürzt wird als FLTI*.
    Wir nennen uns also FrauenLesbenReferat und nicht nur FrauenReferat, da es uns wichtig ist, diese feministischen Prozesse und Diskussionen aufzuzeigen, um heteronormative Diskurse nicht weiter zu reproduzieren, und weil wir nicht alle hetero sind.

  7. Was macht ihr so?
  8. Wir „machen“ vor allem viele Veranstaltungen: Workshops, Seminare, Vorträge, und Ausstellungen. Wir machen auch Aufkleber, nehmen an Podien teil, machen Infotische und gehen auf Demos. Auf unserer Seite findest du unter „Archiv“, was wir bisher alles so gemacht haben. Der Hintergrund von diesen Veranstaltungen ist eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen, die wir wichtig finden und/oder uns betreffen: People of Color Empowerment, Critical Whiteness, Intersektionalität mit Schwerpunkt auf feministische Jüdinnen, Klassenunterdrückung und Schwarzer Feminismus, Sexarbeit, Sexualität Sexismus in der „linken Szene“, und eine unserer Lieblingsfragen ist: was hat das mit Kapitalismus zu tun?
    Dies machen wir vor allem bei den Feministischen Cafes, die jeden dritten Dienstag im Monat stattfinden und einen offenen Austausch über feministische Themen ermöglichen. Außerdem schreiben wir auch Aufrufe, Solierklärungen und haben auch schon ein Kapitel für ein Buch geschrieben („Darum Feminismus !“ Kapitel zu Sexarbeit). Generell versuchen wir Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, z.B. in Form von Intervention.
    Die Gleichstellung der Geschlechter innerhalb eines ansonsten unterdrückerischen Systems ist für uns nicht das Gelbe vom Ei. Da unserer Auffassung nach Feminismus nur funktioniert, wenn er mit anderen emanzipatorischen Inhalten gekoppelt ist, weil er sonst zu einem Feminismus von einigen wenigen (privilegierten) Frauen wird, beschäftigen wir uns auch mit ökonomiekritischen, antirassistischen bzw. rassismuskritischen[9] und anderen emanzipatorischen Inhalten. Wir versuchen dabei immer, eine intersektionale Perspektive zu haben, in unserem Fall Sexismus im Kontext von Kapitalismus/Klassenunterdrückung, Rassismus, Antisemitismus und Heterosexismus zu sehen.
    Seit Ende 2012 gibt es außerdem die AG Women of Colour und ein Critical Whiteness Plenum.
    Die Women of Color Arbeits­grup­pe (WoC AG) des Au­to­no­men Frau­en­Les­ben­Re­fe­ra­tes (aflrk) ist eine Grup­pe von Frau­en, die in Deutsch­land ne­ga­tiv von Ras­sis­mus be­trof­fen sind. Au­ßer­dem ma­chen wir ein­mal im Se­mes­ter das Fe­mi­nis­ti­sche Café. Falls du dich an­ge­spro­chen fühlst, freu­en wir uns, wenn du dort vor­bei­kommst, damit wir uns ken­nen­ler­nen kön­nen.

    sis­ters unite! smash pa­tri­ar­chy! smash white su­pre­ma­cy!

    Das White Awareness Ple­num des Au­to­no­men Frau­en­Les­ben­Re­fe­rats ist das Ple­num der weißen Frau­en, die im Re­fe­rat aktiv sind, also derer, die von Ras­sis­mus pro­fi­tie­ren. Bei und mit un­se­ren Tref­fen ver­su­chen wir, uns durch kritische Auseinandersetzung mit unserem Weißsein für un­se­re ei­ge­nen weißen Pri­vi­le­gi­en und Ras­sis­men zu sen­si­bi­li­sie­ren, diese zu re­flek­tie­ren und schließ­lich durch Hand­lun­gen ab­zu­bau­en. Das WA Plenum ist erreichbar unter aflrk_wa@riseup.net

    Innerhalb unseres Prozesses als Gruppe haben wir auch gelernt, wegzukommen von der bürgerlich-männlichen Vorstellungen von „machen“ im Sinne von „etwas materielles schaffen, etwas produzieren“ (Seminar, Text…), und demgegenüber unsere Selbsttransformation als etwas hauptsächliches anzuerkennen, was wir „machen“. Dabei geht es um die Arbeit an uns selbst, an unserer Gruppenstruktur, unserem Umgang mit uns. Das beinhaltet auch unser Empowerment auf der einen Seite und das Aufspüren von unseren eigenen Privilegien bzw. Diskriminierungen auf der anderen Seite, und auch die Beschäftigung mit unseren repressiven Verhaltensweisen und Denkmustern. Den Sinn radikaler feministischer Politik sehen wir auch darin, die bürgerliche Gesellschaft (der ja nun auch wir selbst entspringen) nicht aus ihrer Verantwortung zu lassen (und damit auch uns nicht).

  9. Wer kann bei euch mitmachen?
  10. Wie schon aus unserem Namen hervorgeht, können bei uns grundsätzlich erstmal alle Frauen* und/oder Lesben mitmachen, die sich für feministische Themen interessieren.
    Das Thema Ein- bzw. Ausschluss von Trans*Menschen ist ein kontrovers diskutiertes Thema innerhalb der Frauenbewegung. So wird ein Ausschluss von Trans*Menschen oftmals (zurecht) als Diskriminierung bzw. Nicht-Anerkennung der Identität gewertet. Die bloße Hintanstellung von Trans* wie bei dem Begriff FLT* wird aber unserer Ansicht nach der Diversität von Trans*Menschen, die so in einen Topf geschmissen werden, nicht gerecht und produziert auch unter Trans* Unsicherheiten, ob sie gemeint sind.
    Unser aktueller Stand ist, dass wir alle Menschen willkommen heißen, die sich mit dem Namen/ der Identität Frau und/oder Lesbe identifizieren. Wir schließen Cis[10]– Männer aus.
    Bei unseren Veranstaltungen achtet bitte jeweils auf Ankündigungen, welche Menschen eingeladen sind.

  11. Wo kann ich interessantes Lesematerial finden?
  12. In unserer Bibliothek:
    Wir haben viele Bücher, die thematisch geordnet sind und die vielleicht auch bald in den KUG eingespeist werden. Aber da das leider noch nicht passiert ist, müsst ihr einfach vorbei kommen und euch anschauen was wir so haben. Am besten schreibt ihr uns dazu kurz vorher an, damit wir auch da sind und euch Eine die Tür öffnen kann. Ihr erreicht die Bib unter: aflrk_bib[ät]riseup.net

    Auf unserer Homepage:
    Wir haben immer wieder Texte auf unserer Homepage veröffentlicht und verlinkt.
    Zum einen haben wir bei Home immer unsere aktuelle Themen (mit Verlinkungen).
    Dann gibt es bei Termine und Feministisches Café kurze Überblickstexte, die teilweise mit weiterführenden Links versehen sind.

    Und natürlich unter Theorie: Da haben wir Links zu interessanten Texten, lesenswerten Büchern, hilfreichen Readerinnen u.a. gesammelt und geordnet.
    Weiterhin sammeln wir dort auch Zeitungsartikel, die sich mit feministischen Themen beschäftigen.
    Ein Stöbern und Einlesen lohnt sich auf jeden Fall.

  13. Wie kann ich mitmachen?
  14. Wer mitmachen kann, könnt ihr ja schon in FAQ 5 nachlesen und zum „Wie“:
    Kommt einfach in eine unserer Veranstaltungen oder zu einem unserer feministischen Cafés. Oder schreibt uns eine Mail. (aflrkoeln[ät]riseup.net)
    Natürlich freuen wir uns über euer Interesse und auch wenn ihr euch schon etwas mit uns und unseren Inhalten auseinandergesetzt habt. Dazu schaut in unsere selbst geschriebenen Texte rein, oder mit welchen Materialien wir uns bei den Feministischen Cafes beschäftigt haben.
    Wann und wo unsere Veranstaltungen stattfinden findet ihr unter: Termine, die feministischen Cafés finden jeden dritten Dienstag im Monat statt (außer in den Semesterferien der Uni).
    Unsere Cafés finden meistens in unserem Referats-Raum im AStA-Gebäude in der Universitätsstraße 16a (1. Stock) statt.

  15. Wo gibt es Möglichkeiten zur feministischen Vernetzung und andere Anlaufstellen für Frauen*Lesben in Köln oder NRW?
    • feministische Vernetzung

    tlf kneipe in mülheim an der Ruhr

    Lila in Köln – Bündnis autonomer Frauenprojekte

    FLTI Tag im AZ

    café queeria (macht gerade Pause)

     

      lesbisch/queer

    queergestellt

    LUSK (Lesben- und Schwulenreferat der Uni Köln)

    www.lesben-nrw.de

    SCHLAU

    Rubicon

    Anyway

    SC Janus Schwul-Lesbischer Sportverein

    café queeria (macht gerade Pause)

    Lesben Köln

     

      profeministisch

    macker massaker

     

      Universität

    LUSK (Lesben- und Schwulenreferat der Uni Köln)

    Gleichstellungsbeauftragte der Uni Köln

     

      Frauenberatung

    Frauenberatungszentrum Köln

    Frauenleben (Frauenberatungsstelle Institut für feministische Therapie)

    Frauenberatungsstellen NRW Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW

    Frauen helfen Frauen e.V. Träger von zwei autonomen Frauenhäusern

    AGISRA e.V. – Anlaufstelle und Beratung für Migrantinnen

    Frauengesundheitszentrum Hagazussa e.V.

    Lila in Köln Bündnis autonomer Frauenprojekte

    Frauen erwerbslos

    Lobby für Mädchen

     

      Gleichstellung

    Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern E-Mail: gleichstellungsamt@stadt-koeln.de

    Gleichstellungsbeauftragte der Uni Köln

     

      (sexualisierte) Gewalt

    Frauen helfen Frauen e.V. Träger von zwei autonomen Frauenhäusern

    Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen

    Frauennotrufe NRW

    frauschmitzz Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen

    Schwanger und Gewalt

    Frauen gegen Gewalt

 

[1]            Mit Hegemonie wird im Anschluss an Gramsci „ein Typus von Herrschaft benannt, der im Wesentlichen auf der Fähigkeit basiert, eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen“.

[2]            Subalterne Gruppen sind solche, denen der Zugang zu hegemonialen Teilen der Gesellschaft verschlossen ist. Subalterne Gesellschaftsschichten sind durch hegemoniale Strukturen und die Herrschaftsausübung anderer Gesellschaftsteile stark eingeschränkt.

[3]            „Gegenüber klassisch essentialistischen Positionen wird Identität dabei nicht über den Rekurs auf ein gemeinsames, unveränderliches, etwa durch Race- oder Geschlechterzugehörigkeit verbürgtes Wesen hergestellt und dadurch naturalisiert. Vielmehr stellt Identität hier eine Art künstlichen Selbstbewusstseins dar, das von subalternen Gesellschaftsgruppen in explizit politischem Interesse ausgebildet wird. In seiner strategischen Ausrichtung zielt dieses Bewusstsein auf eine Veränderung eben jener Umstände ab, welche die Formierung der betreffenden Gesellschaftsgruppe überhaupt bedingen.“ http://www.linksnet.de/de/artikel/24049

Zuschreibungen und Identitäten (wie class, race, gender) sind nach Gayatri Chakravorty Spivak gesellschaftlich konstruiert und keine natürlichen Zustände. Eine politische Strategie subalterner Gruppen ist es, sich der Zugehörigkeit bewusst zu werden und diese Identitäten zu nutzen, um Diskriminierungen, soziale Realitäten und Missstände sichtbar zu machen. Dieser Schritt wird als notwendig erachtet, um gemeinsam politische Kämpfe führen und ebendiese gesellschaftlichen Zustände dekonstruieren zu können.

[4]            Unter Androzentrismus wird eine Sichtweise verstanden, die Männer als Zentrum, Maßstab und Norm versteht.

[5]            Die selben Aktionen werden bei Männern und Frauen unterschiedlich bewertet. Fragt ein Mann nach einer Gehaltserhöhung, ist er ambitioniert, fragt eine Frau, ist sie zu fordernd.

[6]            Diesen Absatz haben wir übernommen von dem Flyer der Autonomen Frauenliste und leicht verändert.

[7]            Schon vor der zweiten Frauenbewegung zeigte Simone de Beauvoir, dass es nicht die anatomischen Merkmale sind, sondern dass mensch (gesellschaftlich) zur Frau gemacht wird. Dies passiert, indem mensch als „Frau“ erkannt und behandelt wird und andere auch als solche erkennt und behandelt. Dabei wird konformes Verhalten belohnt und nicht-konformes sanktioniert. So setzen sich Normen in  Kleidern, Sprache und  Verhalten durch. Die Kategorie Geschlecht ist  also ein vorwiegend  gesellschaftliches Konstrukt, das auch unsere  Gefühle, Bedürfnisse und  Wünsche, also unsere Identität, erschafft und  dabei scheinbar „natürlich“ erscheinen lässt. Scheinbar äußerliches wird homogenisiert und instrumentalisiert und dadurch zu einem notwendigen Identifikationsapparat gemacht. Das  alles ist ein hochkomplexer gesellschaftlicher Prozess, den wir hier leider nur verkürzt beschreiben konnten.

[8]            Weiterlesen zum Lesbischen Feminismus: Outhistory

[9]            Was ist der Unterschied zwischen antirassistisch und rassismuskritisch? Der Begriff „antirassistisch“ muss Menschen vorbehalten bleiben, die negativ von Rassismus betroffen sind, da als weiß markierte Menschen als von Rassismus profitierende keine antirassistische Perspektive einnehmen können, sondern eher ihre eigenen Privilegien reflektieren und abgeben müssen (das wär dann rassismuskritisch). Aus ähnlichen Gründen lehnen wir den Begriff „Feminist“ ab, Männer können jedoch eine profeministische, unterstützende und Privilegien abgebende Position einnehmen.

[10]            Cis bedeutet das Gegenteil von Trans, also Menschen, deren gewählte Geschlechtsidentität mit derjenigen übereinstimmt, die ihnen bei Geburt zugeordnet wurde.